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Texte zu und von Sebastian Vorein
Kunst im Studio (Sebastian Vorein - 2004
- MDR-Fernsehen)
Seine Bilder sind für Sebastian
Vorein der Weg, Neuland zu beschreiten und dies mit alten Techniken
zu verbinden. Das macht für ihn seine Arbeit aus. Besonders
das Zusammenspiel abstrakter und realistischer Malerei und das daraus
entstehende Sinnbild sieht er als Ziel seines künstlerischen
Schaffens.
Große Farbigkeit und somit das Spiel der Variationen sind
daher für seine Bilder bezeichnend. Besonders das Thema Stadt
mit allen Facetten reizt Vorein seit einiger Zeit besonders. Fragestellungen
nach Heimat, Geborgenheit aber auch nach Ängsten sind fast
allen Bildern gemein. Das Symbol Haus als Allegorie der Stadt ist
dabei zentraler Bildgegenstand. Starke Farbkontraste sind dabei
gewollte Metaphern für das Auf und Ab einer Stadt mit all seinen
Sonnen- und Schattenseiten.
Was ist Stadt? (Text zur Ausstellung "Urbanitas"
- 2004 - von Falko Richter)
Stadt ist Verschmutzung. Stadt ist Lärm. Stadt
ist Überbevölkerung, ist Schnelllebigkeit, Erkennen und
Vergessen. Stadt ist Vielseitigkeit, ist Fortschritt. Stadt ist
Bunt und Grau, ist Tumult, Leben und Einsamkeit.
Wir könnten diese Reihe schier unendlich fortführen und
würden dennoch den vollen Umfang dieses Begriffes nur tangieren.
Einen Versuch der Annäherung an den Stadtbegriff, einen Ansatz
des Nachdenkens und Reflektierens gibt der zur Zeit in Dresden lebende
Vogtländer Sebastian Vorein in seinem Werk "Stadtleben".
Beeindruckt von der Dichte, Größe, Vielfalt, architektonischer
Schönheit sowie Häßlichkeit bleibt der Blick des
Künstlers nicht an den Fassaden, der Haut eines sich dahinter
verbergenden Lebens, haften, sondern wirft in seinen Bildern gleichsam
die Frage nach dem sich dahinter befindlichen, dem Blick des Betrachters
entzogenen Bereichen des öffentlichen Lebens auf.
Das "Stadtleben" Sebastian Voreins ist eine Aufforderung
an den Betrachter sich der Tiefe der Dinge bewußt zu werden,
die einen täglich begegnen, eine Aufforderung Bewegung und
Dynamik wahrzunehmen in einem von außen starr und statisch,
alles abblockend wirkenden Gebilde, und nicht zuletzt auch eine
Aufforderung zum fantasieren und zum Gedanken malen.
Mensch
(26.07.2005 - von Sebastian S. Vorein)
erwachen.
bewegen.
bleiben.
irritation.
suche.
orientieren.
bewegen.
bleiben.
leben.
Mensch? (Überlegungen
zum Thema Mensch - 26.07.2005 - von Sebastian S. Vorein)
Seit einiger Zeit beschäftigt mich als Thema
der Mensch. Entwickelt hat sich dieses Interesse aus meinen Studien
zur Perspektive ("perspektivlos").
Anfangs stand hier nicht der Mensch im Vordergrund, sondern einzig
die Wirkung, welche aus einer irritierenden Perspektive erzeugt
wird. Beim fortlaufenden arbeiten an diesem Thema entwickelte sich
Idee weiter. Ich begann eine menschliche Figur in meine Arbeiten
einzubeziehen. Ich entwickelte ein Schema eines Menschen, der in
meinen Arbeiten als Symbol für alle Menschen steht. Dafür
wählte ich bewußt die Technik des Hochdruckes. Nur so
kann ich diesen Menschen beliebig oft und in annähernd gleicher
Weise einsetzen.
So steht nun der Mensch in der Perspektive, steht über ihr,
unter ihr, in ihr. Es öffnen sich die verschiedensten Wege
die ein Mensch nehmen kann. Dabei zeige ich den Menschen bewußt
oft allein, denn er ist es, der für sich die Entscheidungen
trifft. Er entscheidet welchen Weg er geht, welche Richtung er einschlagen
wird.
Betrachtungsweisen (Text
zur Ausstellung "Betrachtungsweisen" - 2006 - Falko Richter)
Mit dem Titel „Betrachtungsweisen“
zielt der aus Bad Elster stammende Künstler Sebastian Vorein
auf eine Vielfältigkeit von Blickwinkeln. Egal, ob gedanklicher
oder visueller Natur, es gibt immer mehrere „Betrachtungsweisen“
auf Dinge.
Ganz einfach betrachtet, ändert sich mit dem Standpunkt bzw.
der Perspektive auch die Sicht auf etwas. An dieser Stelle bildet
eine Reihe von Studien mit dem Titel „perspektiv-los“
den Ausgangspunkt der bildnerischen Auseinandersetzung mit Betrachtungsweisen
im Werk Voreins. Den zur Zeit in Dresden lebenden und arbeitenden
Künstler interessiert hier die Wirkung, welche aus der irritierenden
Perspektive entsteht. Der Betrachter wird gezwungen, seinen Standpunkt
mehrmals zu überdenken und jeder neue Versuch, sich zu verorten,
wird von Fluchtlinien infrage gestellt. Auf den Menschen übertragen,
ergeben sich ganz existen-zielle, kritische Fragen nach Herkunft,
eigenen Positionen und Zukunftsvorstellungen.
„Perspektiv-los“ ist hier nicht eine resignierende Einschätzung
der persönlichen Lage, son-dern die Hinterfragung der eigenen
Positionen und des eigenen Handelns sowie der selbst-kritische Umgang
damit.
In der Weiterentwicklung dieses Themas wird in Voreins Bildern der
Mensch direkt zum Bild-gegenstand. Er zeigt sich in den Bildern
als Beobachter und Beobachteter gleichermaßen. Die Ausstellung
„Betrachtungsweisen“ stellt Fragen an den Besucher -
persönliche Fragen, deren Beantwortung bei jedem selbst liegt.
"perspektiv-LOS-mensch"
(Erläuterungen zur Reihe "perspektiv-los" in Verbindung
mit der Reihe" Beobachter" - 2007 - Sebastian Vorein)
Lange habe ich mich mit der Thematik Mensch beschäftigt.
Meine Arbeiten dazu lassen sich in fünf Bereiche teilen. Am
Anfang bildeten Studien zur Perspektive den Grundstein meiner Auseinandersetzung.
Hierbei stehen Perspektiven, beziehungsweise das Spiel mit ihnen
im Vordergrund. Fragen nach dem „Woher?“ und „Wohin?“
spielen dabei eine große Rolle. Bewußt sind verschiedene
Blickpunkte dargestellt. Allerdings beschränkte ich mich in
diesen Studien allein auf die Perspektive. Der Mensch rückte
dabei noch in den Hintergrund. Dennoch bilden diese Arbeiten eine
wichtige Grundlage für die später entstandenen Werke.
Basierend auf den Studien entwickelten sich die ersten Bilder, in
denen die menschliche Figur eine Rolle spielte. Hierbei handelt
es sich um die Reihe „perspektivlos“. Der Mensch bildet
in diesen Arbeiten den Mittelpunkt. Er ist dabei umgeben von einer
Vielzahl von Perspektiven. Allerdings ist er seiner Individualität
enthoben. Dieser Ausdruck wird erreicht, indem die menschliche Figur
bewußt in der Technik des Hochdruckes ausgeführt wurde.
Nur so ist eine fast identische Wiedergabe der menschlichen Figur
in den Bildern möglich. Er steht exemplarisch für alle
Menschen und die sich öffnenden/ sich schließenden Perspektiven.
Als Technik wurde in den ersten beiden Bereichen Aquarell bzw. eine
Mischtechnik aus Aquarell und Hochdruck verwendet. Für die
mangelhafte Qualität der Abbildungen bitte ich um Nachsehen.
Den dritten Bereich bilden eine Vielzahl von Werken, die sich dem
Thema Mensch (ebenfalls mit der „Ent-Individualisierung“
durch die Hochdrucktechnik) in freierer Weise nähert. Dennoch
stehen auch hier Perspektiven in Kombination mit dem Mensch im Vordergrund.
Die Techniken wurden erweitert auf Acryl- bzw. Ölfarbe.
Den vierten großen Bereich meiner Arbeiten stellt eine Reihe
unter dem Titel „Beobachter“ dar. Anknüpfend an
die Werke früherer Zeit spielt auch hier die Perspektive wieder
eine entscheidende Rolle. Allerdings tritt der Mensch jetzt bewußter
in den Vodergrund. Der Mensch – diesmal in individueller Darstellung
und nicht ent-individualisiert wie durch die Hochdrucktechnik –
befindet sich zwischen den Perspektiven. Er steht in ihnen, über
ihnen und zwischen ihnen. Als letztes ist der plastische Bereich
meiner Beschäftigung zu benennen.
Wie in allen Werken der fünf Bereiche stehen die Perspektiven
für Wege, die ein Mensch wählen kann bzw. konnte. Da gibt
es Perspektiven, die ihn einladen zu folgen. Andere versperren ihm
den Weg. Wieder andere führen ihn in die Irre. Doch bei aller
scheinbarer Perspektivlosigkeit ist es der Mensch, der letztendlich
die Entscheidung über seine Zukunft trifft. Er findet seine
individuelle Entscheidung, wählt seine eigene Perspektive.
Im ersten Bereich laufen die Perspektiven ohne den Menschen ab.
Dies stellt eine verordnete – ob freiwillig oder unfreiwillig
sei dahingestellt – Teilnahmslosigkeit des Menschen dar. Egal
ob mit oder ohne ihm, die Zukunft mit ihren verschiedenen Perspektiven
drängt in den Bildgrund.
Im zweiten Bereich, der Reihe „perspektivlos“, wird
sich der Mensch seiner selbst bewußt. Zwar hat er seine Individualität
noch nicht gefunden, denoch behauptet er seinen Standpunkt auf der
Fläche. Dies wird unterstützt durch die Farbe Rot. Mit
diesen Arbeiten sollen die verschiedenen Möglichkeiten bzw.
Perspektiven des Menschen aufgezeigt werden. Er wird von Ihnen regelrecht
bedängt. Trotzdem beharrt er auf seinem Standpunkt. Er entscheidet
über seinen Weg. Die schematisierten Häuser bilden hier
einen Nachruf auf Werke vergangener Jahre. Das Haus steht dabei
für mich als ein Symbol der Heimat. Gerade in heutiger Zeit
ist es schwierig geworden seine Heimat zu finden, bzw. nicht zu
verlieren. Ständige Flexibilität ist gefordert. Wenn es
der Arbeitgeber will, verliert man seine Heimat, um in einem neuen
Job und in einer neuen Stadt eine neue zu finden. Diese Problematik
soll allerdings nur eine Perspektive darstellen, die auf den Mensch
in meinen Werken trifft.
Im dritten Bereich wird, wie bereits dargelegt, etwas freier mit
der Thematik umgegangen. Situationen werden simuliert, Ängste
und Befürchtungen dargestellt. Dabei ist es wieder der ent-individualisierte
Mensch, der für jeden von uns stehen könnte.
Im vierten Bereich ist es der Mensch als Beobachter, der das Bild
dominiert. Im Hintergrund stellt eine Perspektive seinen jetztigen
Standpunkt dar. Verdeutlicht wird dies durch die Verwendung der
Farbe Orange im Kontext der Felder der Perspektiven. Besonders deutlich
wird der Aspekt des „Beobachters“ beim Bild „Reise“.
Hier steht der Mensch am Beginn einer Reise. Seine Habseligkeiten
sind verstaut. Er wendet seinen Bick der Zukunft zu und begibt sich,
zumindest mental, schon auf den Weg. Noch verharrt er allerdings,
während sich am Horizont bereits die Zukunft abzuzeichnen beginnt.
Noch beobachtet er, doch bald wird er selbst zum agierenden Subjekt.
Bevor ich als letztes zum plastischen Bereich meiner Auseinandersetzung
mit dem Thema komme, möchte ich das Werk „Beobachter
VI“ kurz erläutern. Diese Arbeit stellt den bisherigen
Höhepunkt der Auseinandersetzung mit der Thematik dar. Hier
kommen verschiedene Bereiche zum tragen. Zum einen die Perspektive
(allerdings in vereinfachter Form), danach der Mensch und zum Schluß
die Rolle des Menschen als Beobachter. Der Mensch ist in diesem
Bild als videofilmender junger Mann dargestellt. Allerdings ist
er seiner Individualität enthoben durch die Wegnahme seines
Gesichtes. Er verkörpert damit für mich alle Arten der
Beobachtung durch Medien. Durch diese Arbeit soll eine gewisse Medienkritik
zum Ausdruck kommen. Der Beobachter filmt aus dem Bild hinaus (verdeutlicht
durch die aus der Kamera tretende Perspektive). Dabei spielt sich
in seinem Rücken aber das gerade entscheidende ab. Dies soll
verdeutlicht werden durch den Streifen mit stark expressiven Elementen
im linken Bildteil. Hierbei stehen die Farben symbolisch für
starke emotionale Elemente (Krieg, Leid, Schmerz, Wut). Doch der
Mensch sieht nicht (will es vielleicht nicht sehen), was hinter
ihm passiert. Er wendet sich ab vom Geschehen und dokumentiert/
beobachtet nur „Unwichtiges“. Damit sollen die Medien
ebenso wie der Mensch an sich kritisiert werden. Zum einen wegen
möglicher einseitiger Berichterstattung, zum anderern durch
den Sachverhalt der Verdrängung beziehungsweise des Wegsehens
von Seiten des Beobachters.
Mit dem letzten Bereich, dem plastischen Gestalten, möchte
ich zum Abschluß meiner Ausführungen kommen. Dieser Bereich
stellt die plastische Umsetzung der auf Papier beziehungsweise Hartfaser
gebannten Gedanken dar. Auch hier ist es wieder der Mensch, wie
in der Serie „Beobachter“ individuell dargestellt, der
im Mittelpunkt meiner Arbeit steht. Zu sehen ist eine angeschnittene
Figur, die im Raum agiert. Dabei umgeben sie drei Perspektiven.
Eine mögliche Deutung wäre die Identifikation der drei
Perspektiven mit den Aspekten Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Dabei hält sich der Mensch an der jetztigen Perspektive (Gegenwart)
fest, während im Hintergrund eine andere Perspektive zu verschwinden
scheint (Vergangenheit).
Das Verschwinden wird verstärkt durch die abweisende Handhaltung
der Figur auf dem Rücken. Als letzte Perspektive steht vor
dem Mensch die Zukunft. Schier unüberblickbar. Er weiß
nicht, was nach ihr kommt! Dies wird verstärkt, durch den suchenden
Blick nach oben.
Soviel zu einer kurzen Erläuterung meiner
Werke. Ich hoffe ich konnte Ihnen einen kleinen Einblick in mein
Schaffen und meine Gedankengänge ermöglichen. Natürlich
können Worte nur in geringem Maße den Deutungshorizont
wiedergeben, der den Bildern eigentlich zusteht. Deshalb meine Aufforderung
an Sie, sich auf die Bilder einzulassen und sich selbst eine Perspektive
zu bilden.

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